Was Selbstwirksamkeit bedeutet, wenn du nicht alles kontrollieren kannst.
Manchmal möchte ich einfach den Kopf in den Sand stecken.
Nicht hinschauen. Nichts hören. Keine Nachrichten. Keine Diskussionen. Keine neuen schlechten Nachrichten, keine Entscheidungen, keine Veränderungen, auf die ich sowieso keinen Einfluss habe.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl.
Es gibt Zeiten, da scheint um uns herum so viel gleichzeitig zu passieren, dass wir gar nicht mehr wissen, wo wir anfangen sollen. Dinge verändern sich. Pläne funktionieren plötzlich nicht mehr. Menschen treffen Entscheidungen, die wir nicht nachvollziehen können. Und manchmal passiert etwas, das wir weder verhindern noch rückgängig machen können.
Dann wäre es doch schön, wenn man einfach einmal verschwinden könnte.
Kopf in den Sand.
Für einen Moment nichts sehen müssen.
Und vielleicht ist das sogar „erlaubt“.
Ich glaube nicht, dass wir immer stark, zuversichtlich und handlungsbereit sein müssen.
Manchmal brauchen wir eine Pause von all dem, was gerade auf uns einprasselt.
Wir dürfen uns zurückziehen. Wir dürfen sagen: Ich kann das gerade nicht mehr aufnehmen.
Wir müssen nicht jeden Tag alles verstehen, kommentieren, einordnen und irgendwie lösen.
Aber irgendwann stellt sich eine andere Frage:
Wie lange möchte ich meinen Kopf eigentlich im Sand lassen?
Denn der Sand verändert nicht das, was draußen passiert.
Sonder, wenn du es zu lässt, viel mehr das innen.
Und irgendwann bekommen wir Sand in die Augen.
Was liegt eigentlich in meiner Hand?
Selbstwirksamkeit bedeutet für mich nicht, dass ich alles kontrollieren kann.
Im Gegenteil.
Vielleicht beginnt Selbstwirksamkeit genau dort, wo ich anerkenne, dass ich vieles nicht kontrollieren kann.
Ich kann nicht bestimmen, was andere Menschen tun.
Ich kann nicht verhindern, dass sich Dinge verändern.
Ich kann nicht jede Krise lösen.
Ich kann nicht dafür sorgen, dass die Welt so funktioniert, wie ich es gerne hätte.
Aber ich kann mich fragen:
Was kann ich trotzdem tun?
Vielleicht ist es nur eine kleine Sache.
Ein Gespräch.
Eine Grenze.
Eine Entscheidung.
Ein Spaziergang.
Eine Pause.
Ein Anruf.
Oder auch einfach die Entscheidung, heute nicht noch drei Stunden durch Nachrichten und Social Media zu scrollen.
Das klingt klein.
Ist es aber nicht.
Denn genau darin steckt Handlungsspielraum.
Zwischen Ohnmacht und Aktionismus
Ich glaube, wir verwechseln Selbstwirksamkeit manchmal mit ständigem Aktivsein.
Als müssten wir auf alles reagieren.
Uns informieren. Stellung beziehen. Lösungen suchen. Etwas verändern. Etwas tun.
Aber auch das kann uns überfordern.
Selbstwirksamkeit heißt nicht:
Ich muss etwas tun.
Selbstwirksamkeit kann auch heißen:
Ich entscheide bewusst, was ich jetzt tun kann – und was nicht.
Und manchmal ist die richtige Entscheidung tatsächlich, für einen Moment nichts zu tun.
Nicht aus Gleichgültigkeit.
Sondern weil wir unsere Kraft nicht an jeder Stelle gleichzeitig einsetzen können.
Was mache ich mit dem, was außerhalb meiner Kontrolle liegt?
Diese Frage begleitet mich immer wieder.
Nicht:
Wie bekomme ich alles wieder in den Griff?
Sondern:
Wie gehe ich mit mir selbst um, während ich etwas nicht im Griff habe?
Das ist für mich ein großer Unterschied.
Denn wenn wir versuchen, Kontrolle über das Unkontrollierbare zu bekommen, verbrauchen wir unglaublich viel Energie.
Wenn wir dagegen anfangen, unseren eigenen Handlungsspielraum zu erkennen, entsteht wieder etwas Bewegung.
Vielleicht nicht dort, wo wir sie ursprünglich gesucht haben.
Aber bei uns.
Und manchmal reicht genau das für den nächsten Schritt.
Kopf hoch. Nicht, weil jetzt alles gut ist.
Ich mag den Gedanken, dass wir nicht immer sofort wieder „weitermachen“ müssen.
Vielleicht dürfen wir zwischendurch wirklich den Kopf in den Sand stecken.
Einmal aussteigen.
Luft holen.
Nicht hinschauen.
Aber dann dürfen wir den Kopf auch wieder herausziehen.
Den Sand aus den Augen wischen.
Einmal blinzeln.
Und schauen:
Was ist jetzt dran?
Nicht alles.
Nicht die ganze Welt.
Nicht das große Ganze.
Nur das, was direkt vor mir liegt.
Vielleicht ist genau das Selbstwirksamkeit:
Nicht darauf zu warten, dass alles wieder überschaubar wird.
Sondern meinen eigenen kleinen Handlungsspielraum wiederzufinden.
Kopf in den Sand.
Körner aus den Augen.
Weiter.
Wenn du solche Gedanken lieber hörst als liest: In meinem Podcast EINGEPLANT spreche ich genau darüber – über Achtsamkeit im Alltag, mentale Balance, Stressbewältigung und die Frage, wie wir uns selbst wieder mehr in unser eigenes Leben einplanen.
Auf dein Ohr in dein Herz.